Ich gehe zur Hütte zurück, kann mich aber nicht entscheiden, was ich jetzt tun soll. Für einen Moment fühle ich sowas wie Erleichterung. Für so ein Unterfangen muss man auf den Punkt fit sein. Ich glaube, vom Zeitpunkt des Aufwachens in der Nacht an, habe ich gemerkt, dass ich das in diesem Moment nicht bin.
Es ändert nichts daran, dass es sich wie ein großes Scheitern anfühlt, naja, ist es wohl auch.
Vor wenigen Minuten noch war hier stockdunkle Nacht. Man konnte den Sternenhimmel und das Lichtermeer von Tokio sehen. Die Nacht ist klar, nur vereinzelte Wolkenfelder sind unter uns. Nur wenige Minuten später, obwohl die Sonne noch nicht am Horizont erschienen ist, ist es bereits so hell, dass man bis zum Horizont sehen kann. Es bietet sich ein fantastischer Blick auf die Bucht von Tokio.

Inzwischen ist auch das Team Sustainabiliy erschienen und hält das ganze Schauspiel im Film fest. Später sehe ich auch noch einen der Boston-Brüder, der sich dem Gipfelaufstieg verweigert hat. Die Kälte lässt es nicht zu, der Sonne länger bei der Arbeit zu zu schauen und ich begebe mich in die Hütte. Nach einem knappen, kalten Frühstück lege ich mich noch mal hin. Gegen acht Uhr kommen die ersten Gipfelstürmer zurück und wir beginnen mit dem Abstieg.
Am Tag zuvor hatte ich mit einem Guide unterhalten und, klar, solche Gespräche beginnen meist mit „Wo kommst du her?“. Als ich ihm sagte, aus Germany, hat er mir erzählt, dass er in Deutschland studiert habe. Auf meine Frage, wo genau und was hat er gemeint, er hätte Architektur in Stuttgart studiert. Einfach nur aus Neugierde, weil diese Stadt ihm völlig unbekannt gewesen war. Er habe diese Zeit sehr genossen, obwohl er das Studium abgebrochen hat. War das nicht eigentlich schon Zufall genug, wurde diese Unterhaltung auch von einem Anderen aus der Gruppe verfolgt. Und als er begann sich in die Unterhaltung einzubringen, auf Englisch wohlgemerkt, war klar, dass wir global betrachtet, aus der selben Gegend stammen. „Treffen sich zwei Schwaben am Fuji…“, könnte man auch sagen. Hans lebt seit 35 Jahren in London, aber den Dialekt hat er nicht abgelegt.
Er, seine Frau Caroline und ich, haben uns als erstes Team für den Abstieg zusammengeschlossen. Dabei geht es über Lavageröll steil nach unten, mehr gerutscht als kontrolliert geklettert. Obwohl ich die Erfahrung schon beim Ätna gemacht hatte, hier war es ungleich mühsamer. Die Belastung für die Kniee ist enorm und es verlangt hohe Konzentration, nicht durch zu schnelles Runterrutschen ins Stolpern zu geraten oder sich anderweitig die Beine zu verrenken.
Nach circa 2 Stunden ist dieser Part unfallfrei absolviert und wir kehren in den Laden ein, von dem aus die Tour gestartet ist.

Nach circa einer Stunde sind genügend Teilnehmer zurückgekehrt, so dass sich der erste Bus auf die Heimreise machen kann. Ich bin wieder in Gotemba.